Wermut (lat. Artemisia absinthium)

Wermut (lat. Artemisia absinthium)

Wermut – die Pflanze

Wenn es ein Heilkraut gibt, auf das der Begriff „eine bittere Medizin“ wirklich zutrifft, dann ist es mit Sicherheit der Wermut, dessen Reichtum an Bitterstoffen ihm auch den Beinamen „Doppelbitter“ verliehen hat. Und wer hat noch nicht von ihm gehört, dem sprichwörtlichen „Wermutstropfen“, also dem bitteren Beigeschmack einer Sache?

Der Wermut verströmt aber auch ein äußerst würziges Aroma und in früheren Zeiten wurde diesem Duft nachgesagt, er könne Dämonen und Hexen vertreiben. Schon in der Antike war die Pflanze, die aus der Mittelmeerregion stammt, heilig und wurde gegen allerlei Zipperlein eingesetzt. Im Mittelalter begannen dann auch die Mönche den Wermut in ihren Klostergärten zu kultivieren. Und spätestens seit dem Mittelalter wurde der Wermut auch durch seinen hohen Thujongehalt berühmt berüchtigt. Denn die Thujone, die die Phantasie beflügeln und Rauschzustände auslösen können, ließen sich besonders gut in Alkohol lösen. So wurde der aus Wermut gebrannte Absinth – der Name leitet sich vom lateinischen Begriff für Wermut ab – geboren und bald als stark alkoholischer Likör in ganz Europa bekannt. In Künstlerkreisen wurde das Wermut-Gebräu reichlich getrunken um die Kreativität anzuregen. Allerdings erfolgte 1915 das Verbot von Absinth, da bei übermäßigem Genuss eine nervenschädigende Wirkung beobachtet wurde.

Dennoch war und bleibt der Wermut eine Heilpflanze mit starker Wirkung, die auch heute noch eine tragende Rolle in der pflanzlichen Medizin spielt. Es sind übrigens die kleinen weißen Blüten und Sprossspitzen, die verwendet werden, um Heilmittel herzustellen.

Wirk- und Inhaltsstoffe

Der Wermut symbolisiert wie keine andere Pflanze die Bitterkeit. Kein Wunder, er besteht zu einem hohen Teil aus Bitterstoffen. Es sind genau diese Bitterstoffe, die dem Wermut seine heilende Wirkung beispielsweise bei Verdauungsstörungen verleihen. Die Bitterstoffe des Wermut regen unsere Verdauungssäfte an, also die Säfte, die unerlässlich für die Arbeit von Magen, Bauchspeicheldrüse und Galle sind. Durch gut fließende Magen- und Gallensäfte können Bakterien leichter beseitigt und Nährstoffe besser absorbiert werden.

Anwendung

Noch wird Wermut primär bei Gallen- und Leberleiden eingesetzt. Wenn die Gallenproduktion eingeschränkt ist oder die Gallenausscheidung nicht richtig funktioniert, kann Wermut Abhilfe schaffen. Auch bei Gallenschmerzen, die nach starken Belastungen auftreten, kann der Wermut Beschwerden lindern. Wermut wird zudem erfolgreich bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl eingenommen und gilt als gutes natürliches Mittel, wenn wir unter dauerhafter Appetitlosigkeit leiden. Wermut ist nämlich nicht nur entblähend, krampflösend und entzündungshemmend, auch weil er den Gallen- und Magensaftfluss fördert wirkt sich die Verwendung von Wermut meist ganzheitlich positiv auf unser Verdauungssystem aus. Und wenn der Darm gesund ist, fühlen wir uns insgesamt besser.

Darreichungsformen

Das thujonhaltige Öl aus Wermut ist giftig und wird für das Brennen des Absinth-Likörs genutzt.

Seine heilende Wirkung entfaltet der Wermut am Besten in Form von Teezubereitungen. So kann Wermut mit Pfefferminze bei Appetitlosigkeit helfen. Und eine Kombination aus Wermutkraut, Löwenzahn und Fenchelsamen fördert unseren Gallenfluss. Auch Tinkturen aus Wermut sind gebräuchlich. Dreimal am Tag einige Tropfen dieser Tinktur können bei Verdauungsbeschwerden helfen.

Kompakt Wissen:

Verwendete Pflanzenteile

Blätter, Blüten

Wirkstoffe

Ätherisches Öl, Bitterstoffe

Anwendung

Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Gallenerkrankungen

Hinweise

Wermut darf nicht während der Schwangerschaft verwendet werden und ist nicht für Patienten geeignet, die unter Magen-Darm-Geschwüren leiden.

Wissenswerte Hinweise

Bei der Einnahme von alkoholischen Auszügen aus Wermut kann es zu Vergiftung kommen, besonders bei einer Überdosierung. Diese Vergiftung äußert sich in Form von Krämpfen und Erbrechen oder starkem Durchfall und Schwindelgefühl.

Bei Magen-Darm-Geschwüren darf Wermut nicht genommen werden und auch während der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Wermut nicht geeignet, um Verdauungsbeschwerden oder anderes zu behandeln. Es empfiehlt sich vor einer Einnahme von Wermut Rücksprache mit einem Arzt zu halten.

Quellenverzeichnis

Bäumler, Siegfried (2007): Heilpflanzen Praxis Heute. Porträts, Rezepturen, Anwendung. München: Urban & Fischer.
Bühring, Ursel (2007): Alles über Heilpflanzen. Erkennen, anwenden, gesund bleiben.
Stuttgart: Ulmer.
Bühring, Ursel (2009): Praxis Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Grundlagen, Anwendung, Therapie. Stuttgart: Sonntag.

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